World Class Monitor: KS-Digital ADM 10

KS-Digital-ADM10

Aktivmonitor KS-Digital ADM-10

Seit nunmehr über 13 Jahren entwickelt und fertigt KS-Digital hochwertige Referenzmonitore. Die Entwicklungen von Johannes Siegler setzen auf Innovationen im Bereich der Elektroakustik, der Schallausbreitung und nicht zuletzt der digitalen Signalverarbeitung. Gilt Johannes Siegler in der Audiobranche doch nicht zuletzt als ein Pionier in der Serienfertigung von Studiomonitoren mit digitaler Entzerrung. Die Symbiose moderner digitaler Signalverarbeitungstechnologie mit 20 Jahren Erfahrung im Bau von Lautsprechern, Controllerboxen sowie dem Planen und Realisieren komplexester Beschallungssituationen in vielen Rundfunk-, Theater- und Festspielhäusern (z.B. Reichstag) führte 1997 zur Entwicklung einer neuen Lautsprechergeneration. Mehrere patentrechtlich geschützte Entwicklungen im Bereich der Elektroakustik, der Schallabstrahlung und der digitalen Signalbearbeitung arbeiten heute erfolgreich in Produkten der Firma KS-Digital. Zu nennen wären da bewährte Technologien wie FIRTEC™, DMC™ und NeXT™. So revolutionierte zum Beispiel die ADM 20 (vormals ADM2) als weltweit erster FIR-gefilterter Studiomonitor die Studioszene mit einer bisher selten gehörten räumlichen Auflösung der Musik, was auch in etlichen Tests von Tonmeistern bestätigt wurde. Unter dem geschützten Begriff  FIRTEC wurde eine digitale FIR-Filtersystematik entwickelt, die in der Lage ist, gewissermaßen lippensynchron und verzögerungsfrei zu arbeiten wie es zuvor nur bei analog entzerrten Lautsprechern möglich war. Durch die FIRTEC-Technologie wird die Impulsantwort des Systems mathematisch so vorentzerrt, daß der zeitliche Ablauf des Musiksignals korrekt wiedergegeben wird. Dies bedeutet automatisch auch eine Linearisierung des Betrags- und Phasenfrequenzganges. Eine weitere Innovation bildet die Einführung des geregelten Baßlautsprechers, kurz DMC™ genannt. Hier wird durch eine Regelung der Membranbewegung das Impulsverhalten im Baß ebenso korrigiert wie bei der FIRTEC-Technologie. Extrem trockene und nachschwingungsfreie Tiefbässe sind das Ergebnis dieser analogen Technologie. Die letzte und damit neueste Entwicklung bei KS-Digital, unter dem Begriff NeXT™ ebenfalls geschützt, verbessert die Schallübertragung vom Monitor zum Abhörplatz durch den Einsatz eines Zylinderwellenstrahlers. Das Nahfeld des Studiomonitors wird so deutlich erweitert, was die akustischen Eigenschaften des Abhörraumes stark in den Hintergrund drängt. Mit derart ausgefeilten Produkten am Markt aufgestellt, verwundert es wenig, daß dem Kundenkreis von KS-Digital Musiker wie Stevie Wonder, die weltbekannte deutsche Rockgruppe Skorpions (Dierks Tonstudio), Herbert Grönemeyer und der Elektronikmusik-Pionier Klaus Schulze sowie die Klassik-Labels Tonart und Händel Classic Audio – um nur einige zu nennen – angehören. Bereits an diesen Referenzen ist erkennbar, daß es sich bei den aktiven Monitoren der Firma KS-Digital nicht um „irgendwelche“ Lautsprecher handelt, wie mir infolge des Tests der ADM-10 auch sehr schnell klar werden sollte. Bereits während des ersten Soundchecks bei der Inbetriebnahme war die Darbietung der Monitore mit einem „satten“ Kopfnicken und freudigem Lächeln zu goutieren – kurz gesagt: „Do legst’ di nieder!“. Es kündigte sich damit eine Testphase an, die mir in Folge „A Mordsgaudi“ bereiten sollte. Es macht mir stets besondere Freude, Technik zu beschreiben, die ohne wenn und aber restlos bei allen Musikrichtungen rückhaltlos überzeugt. Soviel schoneinmal vorweggenommen. „Hört sie Euch an – hier gibt es etwas ordentliches auf die Ohren!“

Technik

Bei der ADM 10 handelt es sich um einen Dreiwege-Hauptregiemonitor. Seine edle Optik ließ zunächst nicht vermuten, daß es sich doch um einen Abhörmonitor für Tonregieanwendungen handelt. Das Gehäuse besteht aus einer massiven Kirschholzfront und einer hochglänzenden Corian-Trägerplatte, in der jeweils ein Mittel- und Hochtöner in einer CAD-berechneten Schallführung zur akustischen Ausblendung der Gehäusekanten zwecks planarer Schallabstrahlung integriert ist. Corian ist ein sehr resonanzarmer Kunststein mit besonderer Festigkeit, der aus einem Steinmehl mit zwei Komponenten gegossen wird und durch Schleifen und Polieren sogar bis auf geringste Materialstärken herunter bearbeitet werden kann. Ein hochpräziser Anschluß der Chassis an das Gehäuse wird dadurch erleichtert. Die ADM-10 wurde für größere Abhörräume konstruiert, die durch ihre Abmessungen überhaupt erst eine Tiefbaßwiedergabe ermöglichen. Im idealen Raum beträgt, natürlich abhängig von der Basisbreite, der Hörabstand mit den besten Hörresultaten ca. zwei bis vier Meter. In diesem Abstand ist eine korrekte akustische Summation der über die verschiedenen Komponenten abgestrahlten Teilfrequenzbänder gewährleistet, und der Zuhörer erfährt ein homogenes Klangbild. Unter einem Meter Hörabstand ist hingegen kein sinnvolles Abhören mehr möglich. Die optimale horizontale Hörebene liegt in der Höhe der Reflexöffnungen. In dieser Ebene sind die Boxen laut Hersteller eingemessen.

Der 1-Zoll-Hochtöner ist mit seiner nicht geschlossenen Kalotte als Ringstrahler konzipiert und soll damit ein Aufbrechen in Partialschwingungen bei höheren Frequenzen und Pegeln verhindern. Der Treiber ist somit in der Lage, große Impulsspitzen verzerrungsfrei zu reproduzieren. Auf diese Weise ist in jeder Abhörlautstärke klare und verzerrungsfreie Wiedergabe gewährleistet, und das Ergebnis der korrekten digitalen Entzerrung wird durch die Treiberkomponenten nicht verfälscht oder zerstört.

Der verwendete Mitteltöner stammt von der Firma ATC und besitzt zu dem in der K+H O 410 verwendeten Mitteltöner der Firma Dynaudio gewisse optische Ähnlichkeiten.

Zwei 8-Zoll-Karbon-Tieftöner aus deutscher Produktion sorgen für verzerrungsarme Tieftonwiedergabe mit halbkugelförmigen Abstrahlverhalten, da die Übergangsfrequenz der Tieftöner mit 400 Hz ausreichend tief gewählt wurde.

Die Weichen- und Filterelektronik basiert auf einen über Jahre weiterentwickelten Prozessorboard auf dem ein 60-MHz-Sharc-Fließkommaprozessor des Typs Analog Devices DSP 21065L. Dieser wandelt die 27 Bit breiten Inputdaten in ein Float-Wort mit 32-Bit-Mantisse und 8-Bit-Exponent, was eine theoretische Dynamik von über 1500 dB zuläßt! Übersteuerungen sowie Skalierungs- und Rundungsrauschen, wie von anderen Geräten bekannt, werden so ausgeschlossen. Die digitale Auflösung von 27 Bit wird durch zwei getakte 24-Bit-A/D-Wandler mit 64fach Oversampling erreicht und sorgen am analogen Eingang für eine Übersteuerungsfestigkeit bis +22 dBU. Die von außen einstellbaren Parameter wie Lautstärke und Raumentzerrung greifen direkt in der Floating-Point-Ebene auf den Prozeß zu, so daß auch hier, z. B. beim Regeln der Lautstärke, keine Skalierungsfehler auftreten können. Die Frequenzweiche wurde digital mit Bessel-Differenzfiltern realisiert und folglich erhält jedes Chassis das komplette Eingangssignal sowie das jeweilige Differenzsignal bestehend aus den Frequenzbereichen, die jeweils nicht mit übertragen werden sollen. Dieses setzt voraus, daß das Differenzsignal dazu exakt zeitkalibriert sein muß.

Die Tieftöner werden von einem 400-W-PWM-(digital)-Verstärker, und die Mittel- und Hochtöner jeweils von einem 200- und 150-W-MOSFET-Verstärker mit handselektierten Bauteilen angetrieben. Somit stehen pro Kanal für alle „Musiklagen“ satte 750 W Verstärkerleistung zur Verfügung, die problemlos Schalldrücke von bis zu 122 dB SPL ermöglichen! Die enorme Gesamtleistung von 1500 Watt für das Stereopaar dürfte für alle Lebens-, Situations- als auch Gefühlslagen mehr als ausreichend sein – und sollten Sie doch einmal Lust verspüren, die volle Endstufenleistung der ADM 10 ausfahren zu wollen, sollte vorher bitte auf die sichere Verankerung etwaige vorhandener Gemälde an den Wänden des Hörraumes eingehend und sorgfältig geachtet werden…

Auf der Rückseite der ADM 10 befinden sich jeweils ein Jogdail und ein blau hinterleuchtetes Display mit dem die individuelle örtliche Anpassung des Lautsprechers durchgeführt werden kann. Dazu stehen ein Low Shelve, High Shelve  als auch drei parametrische Equalizer zur Verfügung. Die komplett digitale Signalverarbeitung der ADM 10 ist für die Auftrennung der Frequenzbereiche mit einer Steilheit von bis zu 90 dB für Hoch-, Mittel- und Tiefton, der Entzerrung des Übertragungsverhaltens der einzelnen Wege und Chassis – auch unter zeitlichen Gesichtspunkten – sowie die Schutzfunktion der Endstufen und Chassis gegen Übersteuerung zuständig. Es gibt Anwendungen, bei denen erhöhte Grundlaufzeiten, wie diese bei linearphasiger Entzerrung des Tieftonbereiches zwangsläufig entstehen würden,  nicht toleriert werden können. Für derlei Fälle wurde die ADM 10 entwickelt, deren Lautsprecherparametersatz für den Tieftonbereich auf eine minimalphasige Entzerrung eingestellt ist. Dieser Phasenverlauf entspricht demjenigen eines analogen Systems, die Signaldurchlaufzeiten nehmen bei jeder Frequenz den minimal möglichen Wert an und sind damit natürlich nicht mehr konstant über die Frequenz wie bei der linearphasigen Entzerrung. Der Hoch- als auch Mitteltonbereich wird bei der ADM 10 linearphasig betrieben. Dabei mußte natürlich zur Vermeidung von Sprungstellen im Laufzeitverhalten eine Anpassung der linearphasigen Kanäle auf die Laufzeit des minimalphasigen Weges bei der Übernahmefrequenz erfolgen. Auf diese Weise verfügt die ADM 10 über sehr geringe Grundlaufzeiten, auch Latenzen genannt. Diese Abstimmung kommt nach Abwägung aller Einzelpunkte dem Wunsch der meisten Tonschaffenden nach einem möglichst latenzfreien und gleichzeitig hochpräzis funktionierenden Wiedergabesystem am nächsten. Im Vergleich zur klassischen Filterung mit analogen oder digitalen IIR-Filtern ergeben sich durch Einsatz digitaler FIR-Filter natürlich sehr viele weitreichende Möglichkeiten. Weitreichender ist beim Einsatz der FIR-Filtertechnologie insbesondere die Möglichkeit, auf Basis einer Messung des Lautsprechers ein einziges Filter für die vollständige komplexe Entzerrung zu berechnen, was mit analogen Filtern so nicht möglich ist. Die Werksvoreinstellung des FIR-Filters resultiert dabei aus Messungen im reflexionsarmen Raum, wobei jede Box mit ihrer Treiberbestückung individuell (!) eingemessen wird – damit sind übrigens auch alle Fertigungstoleranzen der Treiber mitberücksichtigt. Bei der Verwendung von analogen Filtern konnte in der Vergangenheit hingegen meist „nur“ eine schrittweise Optimierung im Amplitudenverlauf vorgenommen und bestenfalls eine Phase angenähert und der minimalphasige Anteil der Einzelsysteme und Weichenfunktion eingestellt werden. Um genau dieses „Nadelöhr“ zu umgehen, wird im Digitalcontroller der ADM 10 die Realisierung der Bandpaßfilter für die Frequenzweiche und die Lautsprecherentzerrung nach Betrag und Phase auf Basis einer FIR-Filterstruktur durchgeführt. Die Abkürzung „FIR“ steht übrigens für „Finite Impuls Response“ und bezieht sich dabei auf die Länge der Impulsantwort des Filters, die beim FIR-Filter begrenzt ist. Bei einem FIR-Filter können die Filterkoeffizienten so gewählt werden, daß der Phasengang trotz einer Beeinflußung des Frequenzganges seinen linearen Verlauf beibehält. Darüber hinaus ist es durch die Wahl entsprechender Koeffizienten möglich, auch jeden anderen Phasenverlauf zu erreichen, und zwar unabhängig vom Verlauf des Frequenzganges. Diese Eigenschaft der FIR-Filter macht sich die ADM 10 bei der linearphasigen Lautsprecherentzerrung des Hoch- und Mitteltonbereiches zunutze. Ein Nachteil der FIR-Filterstruktur ist allerdings die Tatsache, daß die Filterparameter nicht durch die Variation bestimmter Koeffizienten beeinflußt werden können. Ergo: Jede Änderung am Übertragungsverhalten des FIR-Filters macht stets die Neuberechnung sämtlicher Filterkoeffizienten erforderlich. Diese Struktur des FIR-Filters hat dann natürlich eine filterspezifische Grundlaufzeit zur Folge. Wichtig ist, zu unterscheiden zwischen einer „linearphasigen Lautsprecherentzerrung“ und einem an sich „linearphasigen FIR-Filter“! Ein linearphasiges FIR-Filter verfügt selbst über einen linearen Phasengang, während bei der linearphasigen Lautsprecherentzerrung die Koeffizienten des FIR-Filters in der Art bestimmt werden, daß das Filter einen Phasengang aufweist, der sich invers zu dem akustischen Phasengang des Lautsprechersystems (in Verbindung mit den Endverstärkern und den analogen Baugruppen des Digitalcontrollers selbst) verhält, so daß sich bei Betrieb des Lautsprechersystems über dieses FIR-Filter in Summe ein linearer akustischer Phasengang einstellt. Auf speziellen Kundenwunsch und sofern es die jeweilige Verwendung vor Ort zuläßt, kann auch der Tieftonbereich der ADM 10 vollständig linearphasig entzerrt werden, was aber eine starke Erhöhung der Grundlaufzeit auf ca. 70 ms – abhängig von der Anzahl der Stützpunkte im Tieftonbereich – nach sich ziehen würde! Allerdings kann in der Praxis der Vorteil einer linearphasigen Entzerrung des Tieftonbereiches aus physikalischen Gründen meist nur in Räumen größer als ca. 50 m² sinnvoll eingesetzt und ausgenutzt werden, da in zu kleinen Räumen eine zu starke reflexionsbedingte Phasenverwürfelung des Tieftonbereiches den erhofften klanglichen Vorteil am Hörplatz wieder zunichtemachen würde. Für einen Großteil der in der realen Praxis anzutreffenden Abhörsituationen ist somit eine linearphasige Entzerrung des Tieftonbereiches letztendlich nur sehr beschränkt praktisch nutzbar. Die optional erhältliche Remote Control ermöglicht am Ende ein Umschalten zwischen analogem und digitalem Input und erlaubt bei voller Wortbreite des Eingangssignals, die Lautstärke auf den gewünschten Pegel zu justieren. Damit genug zu den Grundlagen und Möglichkeiten der digitalen Filtertechnik der ADM 10, wir wollen uns nun dem für uns wichtigsten Anliegen, dem Klang, deutlich treffender mit dem Wort „Reproduktionsverhalten“ umschrieben, dieses ultimativen High-Tech-Boliden auseinandersetzen.

Gehört

Als erstes wandert die Doppel-LP „Harry Belafonte Live at Carnegie Hall“ (LSO-6006) auf den Plattenteller meines aus der ehemaligen Plattenspielerhauptstadt Kippenheim stammenden Laufwerkes. Diese am 19. und 20. April 1959 von Bob Simpson in der Carnegie Hall anläßlich einer Wohltätigkeitsveranstaltung eingespielte Aufnahme fasziniert immer wieder aufs Neue durch das klanglich vorbildliche Einfangen dieser einmaligen Live-Atmosphäre. Über die ADM 10 wurde dieses zu einem wirklich dreidimensionalen Ereignis der Extraklasse! Von der über die Bühne wandernden seidigen Tenorstimme Harry Belafontes angefangen, bis über das millimetergenaue Orten eines Husters im Zuschauerraum in Reihe 6, Platz 13, bildet die ADM 10 alles auf höchstem Niveau sehr präzise so ab, wie es nur ein Monitor der absoluten Spitzenklasse beherrschen kann. Die perfekte räumlich-akustische Ausleuchtung der Carnegie Hall, die die ADM 10 bei dieser Aufnahme zu Tage förderte, war schier phänomenal und zeigt nochmals, wie wichtig die hier auf digitalem Wege erreichte korrekte Phasenabstrahlung für die korrekte räumliche Abbildung von Klangereignissen sein kann. Auch die allerfeinsten farblichen Schattierungen der Stimme Belafontes werden vorbildlich herausgearbeitet. Eine derart fein nuancierte Realisierung dieser Stimme gelingt derart perfekt nur Monitoren der Top-End-Klasse.

Als zweite Aufnahme wandert die Kopie eines Masterbandes auf meine Telefunken M 15 A, welche mich einst auf abenteuerlich verschlungenen Pfaden erreichte. Es handelt sich um eine Einspielung des 5. Klavierkonzertes Beethovens mit Walter Gieseking und der Staatskapelle Berlin unter Walter Rother – 1943/44 von der Reichsrundfunkgesellschaft in Stereo (!) eingespielt. Dabei handelt es sich um eine der fünf erhalten gebliebenen von insgesamt ca. 250 Aufnahmen, die die RRG in Stereo bis Kriegsende insgesamt produzierte. Die technische Aufnahmequalität dieser Einspielung ist derart gut, daß ein unvorbereiteter Hörer nach seiner Einschätzung diese meist im Alter um mindestens eine Dekade später ansiedelt. Es ist mehr als schwierig, für die absolut besondere Darbietung dieses klanglichen und konzertalen Ereignisses die passenden Worte zu finden. Ein verträumter zweiter Satz in absolut kontemplativer Versunkenheit des Künstlers auf eine Art und Weise dargeboten, wie es mir bis dato so nie wieder unter den sehr zahlreichen anderen Einspielungen dieses Klavierkonzertes zu Ohren kam. Selbst auf Hörer, die wahrlich nicht dem klassischen Genre zugeneigt waren, übte diese Einspielung immer wieder einen rätselhaft magischen Zauber aus, der über die ADM 10 zu einem Erlebnis der Extraklasse gerät. Mit tief versunkenem und verträumtem Blick wurden die rund 37 Minuten der Komplettaufnahme – und ohne daß nur ein Wort währenddessen dabei gewechselt wurde – selbst von bis dahin „anerkannten“ Klassik-Verächtern durchgehört! Zusätzlich „bizarr“ in diesem Gesamtkontext wirkt das an ruhigen Stellen des ersten Satzes leise im Hintergrund der Aufnahme hörbar einsetzende Grummeln von Flak-Geschützen, die deutsche Städte und Industrieanlagen zum Zeitpunkt der Aufnahme längst nicht mehr vor der Vernichtung durch alliierte Bomber schützen konnten – Hitlers Wahnsinn forderte seinen Tribut… Im Vordergrund ein in tiefer kontemplativer Versunkenheit spielender Walter Gieseking, während weit draußen der brutale Weltkrieg in seinen letzten Zügen damit begann, das Zentrum Europas vollends in Schutt und Asche zu legen. Ein mehr an eindringlichen Kontrasten dürfte wohl kaum je wieder auf einem Tondokument fixiert worden sein.

Aus Anlaß der Neuauflage der kompletten Beatles-Edition in Form eines neuen digitalen Remasters kommt der Autor über weite Strecken im direkten klanglichen Vergleich zur digitalen Erstauflage und unter penibel durchgeführter Angleichung der Abhörlautstärke – die neuen Remasters sind, wie heutzutage üblich, durch eine weitere Inkaufnahme von Dynamikverlusten sowie zusätzlicher klanglicher Verfärbungen zugunsten der Lautstärke gemastert – zu dem Schluß, daß unter Verwendung von Top-Klasse-Equipment vom Schlage der ADM-10, die erwarteten klanglichen Vorteile des 2009er-Remasters sich am Ende eher als klanglicher Rückschritt herausstellen, auch wenn diese, relativ im Vergleich zu vielen anderen heute marktüblichen Remasterings, noch mit einer insgesamt überdurchschnittlichen Qualität daherkommen. Am Ende bleibt es auch heute, nach 42 Jahren, noch ein absolut irres Klangerlebnis, wenn im Track „Magical Mystery Tours“ ab 0:48 von halb links hinter der Lautsprecherebene kommend, ein Fahrzeug nach schräg rechts ca. 60 cm vor (!) dem rechten Abhörmonitor vorbeirauscht, in der rechten Studiowand fast verschwindet, um dann mit einer scharfen Wende hinter dem rechten Abhörmonitor sich klanglich zu verlieren beginnt! Keine Frage, mit dem Stereoalbum „The Magical Mystery Tour“ produzierten die Beatles mit George Martin und den Ingenieuren Geoff Emerick und Ken Scott und der Unterstützung durch die in Abbey Road und dem Olympic Sound Studio zur Verfügung stehende „State oft the Art“-Tontechnik einen gewichtigen Meilenstein der Schallplattengeschichte des 20. Jahrhunderts!  Der Autor könnte jetzt beinahe endlos weitere Aufnahmen zitieren, die die besonderen Fähigkeiten der ADM 10 in diesem Zusammenhang weiter aufzeigten, wenn es der begrenzte Platz in der Ausgabe nur zulassen würde…

Resumee

Es ist an dieser Stelle eigentlich wahrlich kaum mehr notwendig, sich über die Reproduktionsfähigkeit eines derartig hochqualitativen Studiomonitors im Einzelnen zu delektieren. Egal, welche LP oder CD auch gerade spielt, die ADM 10 gibt stets zuverlässig Auskunft über die genaue klangliche Beschaffenheit des jeweiligen Tonträgers. Klangliche Mängel, sofern auf dem Tonträger vorhanden, werden dabei genau zu Gehör gebracht. Sehr gute Aufnahmen klingen demzufolge atemberaubend, schlechte Aufnahmen werden sofort als diese erkannt, ohne dabei aber lästig in der Wiedergabe zu geraten. Feinste Ein- und Ausschwingvorgänge von Triangeln, Becken und Schlaginstrumenten aller Art sowie der jeweilige dynamische Verlauf  wurden zweifelsfrei klar und präzise rekonstruiert. Welche Stimme, welches Instrument auch immer – niemals gibt es Anlaß zu irgendeiner Kritik. Die Darstellung von Orchestern gerät derart plastisch, daß die einzelnen Orchestergruppen bis hin zu Einzelinstrumenten „korrekt vermessend“ ohne jegliche Mühe ortbar sind. Ohne die geringste Mühe läßt sich die aufnahmetechnische Vorgehensweise verschiedenster Tonmeister sehr genau akustisch ergründen. Die enorme Ortungspräzision und Tiefenstaffelung begeisteren den Autor dabei immer wieder stets aufs Neue. Feinste Details aus einer Aufnahme förderte die ADM 10 mit extremer Präzision zu Gehör. Auch die enorme Schnelligkeit der Impulswiedergabe ist atemberaubend! Feinste tonale Abstufung im Tieftonbereich werden sauber detektiert … aber hören Sie bitte selbst! Die reproduktiven Leistungen der ADM-10 liegen auf allerhöchstem Niveau und bewegen sich damit im aktuell machbaren Grenzbereich, was die Tonwiedergabe über Lautsprecher angeht. Auch großdynamische Klangereignisse mit hohen Lautstärken abgehört können den Monitor zu keiner Zeit in Verlegenheit bringen; satte 1,5 Kilowatt Verstärkerleistung für das Stereopaar lassen einen Paukenwirbel zu einem physisch deutlich spürbaren und zugleich unvergesslichen Erlebnis der Extraklasse werden.

Ganz viel Licht und sehr wenig Schatten – bei voll verstärkenden Endstufen ist hochfrequentes Rauschen aus den Hochtönern zu vernehmen, sofern an den Lautsprechern gerade kein musikmoduliertes Material anlag. Der Autor empfindet dies kaum als störend, weil in dieser Lautstärkeeinstellung beim Einsatz der Musikmodulation auch schnell die 100-dB-Schalldruckmarke von den Lautsprechern erreicht wird. Nach Aussage des Entwicklers handelt es sich dabei um das Rauschen der Wandlerstrecke, die eine Gesamtdynamik von ca. 120 dB aufweist. Dank integrierter VCA-Steuerung sowie eines vom Hersteller zu beziehenden Dämpfungsgliedes kann auf Kundenwunsch dieses wohl letztendlich sehr kleine Rest-„Problem“ aber behoben werden. Trotz jenes Wandlerrauschens bemerkte der Autor keinerlei nennenswerte Beeinträchtigung in der Qualität der Musikreproduktion der ADM 10.

Auf den Punkt gebracht

Schlußendlich bleibt zu sagen, daß Fehler in der Wiedergabe oder sogar Mängel bei der ADM-10 vergebens zu suchen, geschweige denn zu finden sind. In Verbindung mit wirklich ebenbürtigem Quellen- und Verteilerequipment „spielt nur die Musik“ – und zwar frei von jeglichen Artefakten, die sonst so oft noch der technischen Musikwiedergabe anhaften. Mihin: Absolutes Profiwerkzeug ohne Fehl und Tadel zu einem sehr angemessenen Preis!


Information

Regiemonitor KS-Digital ADM-10

Preis pro Stück: Corian/Kirsche: 4700,00 Euro (Testversion),

MDF-black mit Kirsche-Massivholz-Mitteltonteil: 3900,00 Euro

Hersteller: KSdigital GmbH

Firmenadresse für Leihstellungs- und Kaufanfragen

Anschrift: Kossmannstr. 38A 66571 Eppelborn

Tel.: +49 (0) 6881-936.4000 oder 936.4001

Fax: +49 (0) 6881-880.8527

E-Mail: http://www.ksdigital.de/de2/kontakt.php

Internet:http://www.ksdigital.de/de2/adm10.html

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