„Klingende Netzkabel“ oder der Trend zum „Edelstromkabel“

Die Diskussion um hochwertige Netzkabel mit Verbesserungen auf der Audioseite ist durchaus ein nachvollziehbares Thema. Um weitere unnötige Verwirrungen zu vermeiden möchte der Autor mal etwas Licht ins Dunkel bringen.

Die wesentliche Ursache für „klingende Netzkabel“ ist in der Erdung zu suchen. Besagte „Edelstromkabel“ haben oft alle einen deutlich größeren Querschnitt als die normal üblichen 0,75 Quadratmillimeter der typischen Eurokabel sowie bessere Stecker die besser in der Netztleiste kontaktieren. Früher war es in Tonstudios Standard dass dort auch ein Erdsystem vorhanden war wobei jedes der Geräte mit dicken Kupferleitern sternförmig an Erde angeschlossen wurde, so dass es innerhalb der Installation kein unterschiedliches Erdpotential mehr gab. Tat man es nicht so hatte man mit merkwürdigen Problemen zu kämpfen weil zwischen den Analgenkomponenten keine stabile ausreichend niederohmige Erde vorhanden war. In der heutigen Realität bildet der Schutzleiter die Erde und dessen Querschnitt bestimmt damit den Erdquerschnitt. Es kommt heute dazu das jedes Gerät seit CE mit einer Störschutzfilter an seinem Netzeingang ausgestattet sein muß. Der Störschutzfilter soll alle Störungen und HF die auf den Netzleitungen vagabundiert –einschließlich der durch Schaltnetzteile im Gerät selbst verursachten Störungen in den Schutzleiter ableitet werden. Dadurch fließt je nach Verschmutzung der Netzleitung ein mehr oder minder großer Erdstrom über den Schutzleiter gegen den Erdzentralpunkt. Sind die Erdquerschnitte der einzelnen Geräte nicht ausreichend niederohmig, bilden sich unterschiedliche Erdpotentiale zwischen den einzelnen Geräten aus, die dann als Störung in die analoge oder digitale Audioverbindung hineingelangen und dort etwas verursachen was man nicht als eine generelle Art von Störung definieren kann sondern von dem mehr oder weniger zufällig entstandenen Aufbau abhängt. Damit sind auch gewisse klangliche Merkwürdigenkeiten beim Einsatz von verschiedenen Wordclocksystemen gemeint. Irgendwelche billigen oder vielmehr billig gemachten Baumarktsteckleisten besonders wenn u.U. mehrere aneinander hängen lassen den Schutzleiterwiderstand in Richtung Steckdose immer größer werden…. wo dann in bunter Vielfalt noch die einzelnen Geräte eingesteckt sind die alle mit relativ hochohmigen Kabeln Störschutzfilter-Ausgleichsströme an das Gesamtgebilde abgeben werden. Die Lösung des Problems ist Kupfer, wenn man es an alle Geräteteile mit einem entsprechend dicken Kupferdraht großen Querschnittes an einer Stelle solide kontaktieren kann… und natürlich Netzkabel mit ordentlichen 2,5er Querschnitt als auch Netzleisten und Stecker die fest und gut kontaktieren.

Wie Störpotential aus dem Netz auf der Audioseite wirkt hängt desweiteren noch von der Qualität des Netzteils ab. Für die Klangqualität ist die Ladekapazität des Netzteils verantwortlich und man ersetzt zum Teil eine zu geringe Ladekapazität durch ein niederohmiges Netzkabel mit größerem Querschnitt und damit geringen Eingangswiderstand.
Hochfrequenz die zwangsläufig auf dem Netz ist geht seltsame Wege. Man findet diese auch auf dem Schutzleiter. Jenseits der Megahertzgrenze ist ein Stück Draht allerdings nicht einfach ein Stück Draht mehr sondern ein komplexer Widerstand und wenn wir von einem 0,75 Quadrat Standardnetzkabel ausgehen das nun wirklich auf ein sehr niederohmiges Erdsystem verbunden wäre kann man nicht sagen wie effektiv es eine HF Störung die aus dem Störschutzfilter eingeleitet wird ableiten kann und es ist auch noch ein Unterschied ob das Kabel aufgewickelt ist oder nicht.Man kann davon ausgehen dass am Eingang des Netzteils immer noch ein relevanter HF-Salat entsteht und zusätzliche interne HF wenn im Gerät ein Schaltnetzteil verbaut ist…..Diskrete Verstärker haben meist eine wesentlich kleiner Unterdrückung von Störungen auf der Speisespannung als ein Op Amp, aber selbst bei OPs gibt es eine alte Regel dass die Störunterdrückung von der Stromversorgung auf den Ausgang bei negativer Versorgungsspannung 20 dB schlechter als bei positiver Versorgungsspannung ist. Sobald HF auf der Speisung liegt findet sich diese auch auch irgendwo im Audioweg wieder. Da hängt es dann von der Schaltungsauslegung mit HF-Sperren ab, ob eine Störung auftritt oder nicht. Bei einer korrekten Erdverkabelung mit großem Querschnitt kommt es meist nicht zu hörbaren Verbesserungen durch Einsatz von Versorgungskabeln mit großem Querschnitt, wohl aber wo die beschriebene Erdverkabelung durch den Einsatz mit Versorgungskabeln großen Querschnittes rein zufällig entstanden ist und kein ordentliches Erdsystem vorhanden war
Es kann aber natürlich nicht Schaden wenn man generell gegen die HF durch ferritummantelte Netzkabel in ausreichender Länge etwas tut …

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