Vintage Lautsprecher mit Saba Blackcones nach Dr.Götz Wilimzig

Vintage Lautsprecher Bauart Wilimzig mit Saba Blackcones

Der Autor dieser Zeilen war nicht schlecht erstaunt über die unerwartet hohe Klangqualität die aus diesen alten Vintagelautsprecher der Gehäusebauart Wilimzig bestückt mit jeweils einem Saba Blackcones 20 cm Tief-Mitteltöner  und einem 10 cm Hochtöner nur getrennt durch einen Kondensator mit 2,2 Microfaraday Kapazität. Große Verwunderung und Staunen kennzeicheneten den Moment an dem der Autor diese Laustprecherkonstruktion das erste mal zu Ohren bekam! Hatten besagte Lautsprecher gegenüber heutigen gebräuchlichen „modernen“ Modellen nicht einen eingeschränkten Frequenzbereich der zu mindestens auf dem Frequenzgangschrieb erst mal  weniger gut oder „high endig erschien?

Der Klang

Der Klang der aus diesen Lautsprechern verströmte war einfach nur Musik. Nennenswerte Verfärbung Fehlanzeige, Breiten- und Tiefenstaffelung vorhanden. Er spielte absolut langzeittauglich und völlig unauffällig die ihm zugreichte Musik natürlich und stressfrei ab. Aufgrund seiner Konstruktion sind natürlich keine Tiefbassorgien zu erwarten aber auch nicht jede Platte hält selbst redend eine solche für uns bereit. Zudem sei bemerkt das die allermeisten raumakustisch unbehandelten Wohnräume für eine wirklich saubere und lineare Wiedergabe des Tieftonbereiches  meist auch nicht wirklich gut geeignet sind und die Wiedergabe -sofern auf der Aufnahme auch vorhanden- von tieffrequenten Tonmaterial  dann zu weiteren klangtechnischen Wiedergabeproblemen führt. Ohne eine hinreichende Linearisierung des Raumes oder durch eine digitale Entzerrung auf den Hörplatz mittels DSP Technik lässt sich dann kaum auf Dauer die vollständige Zufriedenheit des Hörers (wieder)herstellen. Die Stärke der Wilimzig-Konstruktion ist handgemachte und gut aufgenommene Musik aus Jazz und Klassik und auch sehr viele Rocktitel lassen sich auf ihm sehr gut hören. Diese Konstruktion zeichnet sich durch einen enorm guten Wirkungsgrad aus und bereits mit 0,25-0,5 Watt wird der Raum komplett mit Musik ausgefüllt! Der Autor verwendete einen digitalen Class D-Verstärker (SMSL SA-98E) dessen Ruhestromaufnahme sich ganze 2,5 Watt aus dem Netz genehmigte. Bei zimmerbefüllender Lautstärke schwankte die Leistungsaufnahme dieses Amps zwischen 2,5 und 3 Watt und bei extremen Passagen auch mal kurzzeitig bis 4 Watt. Über 40 Jahre alte Breitbandtechnik gepaart mit modernster Class-D Digitaltechnik mutiert so zu einem rekordverdächtigen Energiesparwunder der Neuzeit! Die klanglichen Leistungen bereits dieser Kombination ließen beim Autor viele Fragen zurück in wie weit die Technik insbesondere für die Heimtonwiedergabe gemeinhin als HIFI bezeichnet sich in den letzten 40-50 Jahren überhaupt weiterentwickelt haben und in welche Richtung….. Vieles auch zuweilen sehr teures aus dem Segment konnte am Ende in der Summe der Wiedergabeeigenschaften nicht mit dieser „alten Technik“ wirklich mithalten…..

Erst Lautsprecher vom Schlage einer Klein und Hummel O 410, ME Geithain 901 oder KS Digital ADM 10 zeigten dann deutlich das Musikwiedergabe noch besser geht. Aber der Vergleich würde zugegebenermaßen „hinken“. Die Wilimzigkonstruktion ist ein Design für die gepflegte Heimtonwiedergabe während es sich bei den genannten Vergleichslautsprechern um „ernsthafte“ Studiomonitore/Arbeitsgeräte der höchsten Qualitätskategorie handelt die zudem in der Anschaffung auch mehr wie ein Ei mit Butterbrot kosten. Trotzdem bereitete es dem Autor immer wieder eine Freunde gelegentlich einfach nur locker Musik über die Wilimzigkonstruktion zu hören. Das was dieser Lautsprecher kann und macht das macht er wirklich zufriedenstellend und überzeugend für den häuslichen Musikgenuß. Beim Abhören alter Monoaufnahmen ist es zwar weniger gut möglich die Breite des Monofensters förmlich mit dem Zentimetermaß in einzelnen Zentimetereinheiten auszumessen, wie es über hervorragene Studiomonitore jederzeit ohne Probleme möglich ist, aber trotzdem weiss das klangliche Resultat unter der Rubrik „privates Hörvergnügen“ zu überzeugen. Viel schlimmer oder wirklich störend wäre es wenn ein Lautsprecher bei der Wiedergabe nenneswerte tonale Verfärbungen oder zu große Unlinearitäten besonders in dem fürs menschliche Ohr empfindlichsten Bereich zwischen 1-4 kHz zeigen würde. In den Tagen und Wochen in der der Autor bislang immer wieder vergleichend auf die Wilimzig-Lautsprecherkonstruktion umschaltete blitzte dem Autor dabei immer wieder die Feststellung des bekannten Lautsprecherentwicklers Paul Klipsch durch den Kopf der einmal sagte: „We live in the midrange“.

Die Verstärkerfrage

Der Autor dieser Zeilen hält es für ein Gerücht das derartige Lautsprecher „zwingend“ einem Röhrenverstärker als Antrieb benötigen würden wie an vielen Stellen immer wieder behauptet. Man könnte -aber auch aus klangtechnischer Sicht muss man es wirklich nicht! Ratsam ist lediglich ein Verstärker und ein Quellengerät das sauber und linear geradeaus spielt an diesen Lautsprechern einzusetzen. Der Konstrukteur dieses Lautsprechers machte seinerzeit unter den Röhrenverstärkern herausragende Erfahrungen mit einem V 73 Kommando-Lautsprecherverstärker aus ehemaligen Rundfunkbeständen. Ein Gerät welches mit allen Schaltungsvorurteilen der Hifiszene bricht und trotzdem in seinem Ausgangsleistungsbereich qualitativ seine Gleichen sucht…. Diese Kommandoverstärker verfügten seinerzeit über eine Ausgangsleistung von 4 Watt welches für dieses hochempfindliche Lautsprecherdesign schon mehr als genug bedeutet.Entwicklt wurde der V73 seinerzeit von der Zentraltechnik des NWDR für die ARD. Die Betriebseinführung war 1955 und die Fertigung des  vollsymmetrischen Gegentakt-Verstärker  reichte bis in die 60er Jahre hinein.In diesem Profiverstärker war technisch alles verwirklicht was der sogenannten“audiophilen“ Röhrenlehre klar wiederspricht. Pentodenschaltung, Gegentakt, ultrascharfe Gegenkoppelung, Elkos im Signalweg und Seelengleichrichter…..Gegen diesen kleinen schweren grauen Block versagt fast alles was kommerziell als Triodenverstärker erhältlich ist. Besagter Verstärker stellt ohne Frage und Zweifel und ganz anders als manche kommerziellen vermeintlich „audiophil-hifidelen“ Nachfolger der 1980er bis 2000er Jahre ein Meilenstein in der Entwicklung des Röhrenverstärkerbaues dar!

Dr. Götz Wilimzig Lautsprecher

Dr. Götz Wilimzig Lautsprecher mit Saba Blackcones

Resumee

Der Wilimzig Lautsprecher stellt einen gelungenden und geschickten Kompromiss für die klassische Heimtonwiedergabe für Raumgrößen bis etwa 20 Quadratmeter dar.  Die für die meisten Musikrichtungen essentiellen Frequenzbereiche werden im Prinzip zufriedenstellend abgedeckt während tieffrequente Schallereignisse durch den konstruktionbedinten Pegelabfall dieser Konstruktion in raumakustisch unbehandelten Wohnräumen zu keinem Akustikdesater führen können. Wer mehr Tiefton benötigt kann jederzeit durch nachrüsten von ein bis zwei aktiven Ripolen den Frequenzgang nach unten vervollständigen. Dabei sollten dann aber folgerichtig vorgegangen werden und der Frequenzgang auf den Hörplatz mittels einer wertigen DSP-Lösungen linearisiert oder mittels eines raumakustischen Ausbaus die allgemeinen Wiedergabebedingungen in Richtung sauberer Wiedergabe des Tieftonbereiches am Hörplatz konsequent und sauber umgesetzt werden! Es ist klanglich oft wenig zielführend einen -3 dB Frequenzgang bis 20 Hz-30Hz hinunter wiedergabekonstruktiv zu verwirklichen und nicht gleichzeitig akustisch wirkungsvolle Maßnahmen zu einem linearen Frequenzgang am Hörplatz umzusetzten! Der Wilimziglautsprecher ist eine sinnige „Realkonstruktion“ in der mit klarem Blick auf die in Wohnräumen zumeist problematisch vorherschenden akustischen Bedingungen ein gutes Stück weit Rücksicht genommen wird.

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