Risiken und Chancen beim Einsatz von Computer- und Rechnertechnik bei der Aufnahme, Speicherung und Wiedergabe von Musik, Teil 1

 

 

Formschöne und zuverlässige Audio-PCs/DAWs von AudionetworX

Risiken und Chancen beim Einsatz von Computer- und Rechnertechnik bei der Aufnahme, Speicherung und Wiedergabe von Musik, Teil 1

PC und DAWs als Tonquelle

Schallplatte und CD gehören zwar zu den fest etablierten Kulturtonträgern, dennoch kündigen sich durch den technischen Fortschritt des Internets sowohl der PC- als auch der Rechnertechnik neue Möglichkeiten des Musikerwerbs an: Die Musikarchivierung und das Abspielen via Computer. Welchen Sinn respektive neue Möglichkeiten diese Technologien mit sich bringen können – aber auch welche Risiken dagegen stehen -, sollen in unserer Artikelserie genaue Betrachtung finden. Der vielerorts etwas oberflächlichen Mentalität der Betrachtung, die eher den Eindruck von ziellos im Winde flatternden Fahnen hinterlassen, statt dem Leser sachlich verwertbare und fundierte Aufklärung zu bieten, soll hier von vorneherein eine Absage erteilt werden.

Aller Anfang ist schwer

Am Anfang steht das Überspielen, im Fachjargon auch „rippen“ genannt, der eigenen CD-Sammlung auf den Massenspeicher des Rechners. Das kann eine klassische Festplatte (HDD) oder auch – moderner und langzeithaltbarer – eine sogenannte Solid State Disk (SSD) sein. Ideale Tonformate dazu wären WAV, AIFF und FLAC, die keine Datenreduktion des Musikmaterials beeinhalten und von einer Vielzahl von Audio-Software-Formaten auch standardmäßig verarbeitet werden können. Der Autor steht aber grundsätzlich herstellereigenen Formaten wie Apple Lossless oder auch MLP besonders in der Langzeitbetrachtung kritisch gegenüber. So werden Formate wie Apple Lossless, MLP oder auch AIFF derzeit nur von wenigen Netztwerkplayern abgespielt.

Höchste Ansprüche beim Rippen hinsichtlich der Korrektheit der überspielten Daten werden mit der kostenpflichtigen Software dB-Poweramp erfüllt. Sehr positiv ist, daß bei dieser Software eine Vielzahl von CD-Titeln automatisch über die professionelle AMG-Datenbank sicher erkannt werden. Dieses spart eine Menge Zeit, da sich dann manuelles Nacheditieren erübrigt. Allerdings zeigt die Datenbank trotzdem noch so manche partielle Lücke, insbesondere beim Rippen von älteren Klassik-CDs der DGG.

Kostenlos ist dagegen die Freeware Exact Audio-Copy über Internet-Download erhältlich. Die Qualität der Einleseresultate ist wie bei dB-Poweramp hervorragend, allerdings zeigt sich die automatische Titelerkennung weit weniger leistungsfähig als bei dB-Poweramp.

Als dritten im Bunde gibt es das sehr bekannte I-tunes. Das Programm bietet eine hervorragende Übersicht über die gerippten Medien und klingt schon recht gut. Die Formatunterstützung ist allerdings eher bescheiden. Die automatische Tag-Erkennung insbesondere der Cover kann man als mittelmäßig einstufen. Über die Importeinstellung des Programmes lassen sich dazu WAV, AIFF und Apple Lossless als verlustlose Formate anwählen. Die Qualität der Rippresultate erhöht sich hörbar, wenn im Menüpunkt „Importeinstellung“ der Haken bei „Fehlerkorrektur beim Lesen von Audio CDs“ gesetzt wird; allerdings verlangsamt dieses den Einlesevorgang der CD dramatisch.

Ein weiterer kostenloser Medienplayer ist Foobar 2000, dieser weist unter den Softwareplayern mit den besten Klang aus, ist aber mit seiner spartanischen Optik der Medienbibliothek mehr etwas für „Computerspezialisten“.

Zur Gruppe der reinen Datenbank-Verwaltungssoftware ohne Softwareplayer-Funktionen zählt der amerikanische Musik Collector Pro, der mit Hilfe eines mitgelieferten Barcode-Lesers via den heute auf Tonträgern aufgedruckten Barcode (EAN) über den Internetgroßhändler Amazon.com die Daten des Tonträgers automatisch in die Datenbank herunterlädt. Des weiteren erkennt dieser aber auch CDs durch Einlesen über das CD-ROM-Laufwerk des Computers.

Keller’s Musik-Katalog hingegen bringt die Datensätze von ca. 600.000 Tonträgern mit und kann gegebenenfalls weitere Datensätze über die herstellereigene KMK-Datenbank nachladen. Die Datenbank-Software nicht erkannter Alben müssen dagegen mühsam manuell angelegt werden. Allerdings bietet das Programm hinsichtlich der vorhandenen Editiermöglichkeiten erstklassige Quantifizierungsmöglichkeiten des Tonträgers.

Wer es dagegen klassisch mag, für den ist eine selbsterstellte Datenbank mittels Microsoft Excel und Access der Favorit. Letztere Lösung hat die größten und besten Möglichkeiten, da sich auch nachträglich neue Suchkriterien einfügen lassen. Allerdings stellt dieser Modus bei großen Musiksammlungen beinahe eine Lebensaufgabe in Form von stoisch auszuführender manueller Tipparbeit dar, da alle Daten zunächst komplett über Tastatur in die Datenbank übertragen werden müssen! Grundsätzlich ist anzuraten, nach dem Installieren der ersten Audio-Software auf Ihrem PC nicht gleich die komplette CD-Sammlung voreilig in Hundertereinheiten auf die Festplatte zu rippen, sondern sich zuerst mit den Editierungsmöglichkeiten der jeweiligen Software genauer auseinanderzusetzen sowie verschiedene Test zu unternehmen und insbesondere die konkrete Qualität der jeweils eingesetzten CD/DVD-Laufwerke als auch Rippsoftware zu überprüfen. Dazu ist es hilfreich, eine vorher gerippte „Probe-CD“ auf CD-Rohlinge verschiedener Qualitätsanbieter zu brennen und einen nachfolgenden Klangvergleich zwischen Original und Kopie zu unternehmen. Mit dem Rippen ganzer CD-Sammlungen sollte besser erst begonnen werden, wenn sich herausgestellt hat, daß das System auch praktisch klanglich 1:1 vernünftig arbeitet! Für welche Vorgehensweise und Archivierungsstrategie der Anwender sich am Ende entscheidet, bleibt diesem natürlich überlassen. Erste Möglichkeit wäre, tausende CDs aus der persönlichen Sammlung auf den Massenspeicher (Festplatte HDD oder Solid State Disk) des Gerätes komplett aufzuspielen (rippen), was einen nicht unerheblichen Zeitfaktor darstellt. Man kann aber auch nur jeweils die CDs überspielen, für die gerade ein „natürliches Wiederhörbedürfnis“ besteht. Auf jeden Fall sollte der Erfolg des automatischen Editierens nach jeder CD ebenfalls sorgfältig überprüft werden, da zuweilen nicht alle Meta-Daten die dort in Ihrer i-Tunes oder vielfach auf dezidierten Musikservern zum Einsatz kommende dB-Poweramp-Software geladen werden, immer zutreffend sind! Bedenken Sie, daß ein Wiederauffindungsversuch eines falsch editierten Songs oder Albums auf Ihrer Festplatte höchstwahrscheinlich ein beinahe aussichtsloses Unterfangen darstellen wird!

Hardware

Eines sei hier grundsätzlich am Anfang des Hardware-Teils genannt: Jeder Rechner oder auch spezialisierter Musikserver sollte, wenn dieser mit dem Internet verbunden ist, mit einer aktuell gehaltenen Firewall und Virenscanner ausgestattet sein! Ein Musikserver kann  im Aufbau ein klassischer PC oder auch ein spezielles, auf einen Zweck ausgerichtetes sogenanntes Embeded-System sein. Insbesondere bei der Anschaffung eines PCs für Audiozwecke ist es mehr als, sinnvoll gleich auf zertifizierte und für Audiozwecke speziell erprobte Systeme zurückzugreifen. Der Autor hat sowohl mit Dell Precision als auch insbesondere mit DAW-Workstations des Berliner Proaudio-Anbieters AudionetworX gute Erfahrungen gesammelt. Letztere Systeme sind in der Hard- und Softwarezusammenstellung vorher aufwendig speziell für Audiozwecke erprobt worden und harmonieren mit einer Vielzahl gängiger Pro-Audiosoftwaren sowie den wesentlichen externen USB/Firewire-A/D-D/A-Wandlern des Marktes ganz hervorragend, die sich gleichzeitig auch im Produktsortiment dieses Anbieters befinden. Die Referenzliste der Anwender ist lang und u.a. gehört auch Depeche Mode zum Kundenstamm von AudionetworX. Von spontan erworbener Kaufhausware rät der Autor im allgemeinen aber ab. Die Computertechnik schreitet unentwegt voran und PCs mit Touchscrean-Panel, die dank des neuen Betriebssystem Windows 7 problemlos integriert werden können, kosten nicht mehr die Welt und sind damit in bezahlbare Nähe für den Heimanwender gerückt. Erste Wahl für Audio-PCs ist dabei Windows XP SP3 Professional oder auch Windows 7 in der Professional- und Ultimate-Variante. Bei Neuanschaffungen sollte grundsätzlich auf eine dieser Windows-7-Versionen zurückgegriffen werden, da der Support von XP bei Microsoft langsam dem Ende zugeht.

Am Ende bleibt es natürlich dem Anwender überlassen, ob dieser eine reine PC/MAC-Lösung mit einem externen USB/Firewire-D/A-Wandler bevorzugt, oder sich einen „speziellen“ Musikserver anschafft. Wirklich notwendig ist solch ein dezidierter Musikserver allerdings nicht, und spätestens, wenn gerippte Musikinhalte des Musikservers nacheditiert werden müssen – was gar nicht einmal so selten vorkommen kann -, wird spätestens dann ein externer PC/MAC grundsätzlich dazu benötigt. Insbesondere bei externen USB/Firewire-D/A-Wandlern ist darauf zu achten, daß diese am besten mit einer Zusatzsoftware ausgeliefert werden, die insbesondere bei der wechselnden Ausgabe von Tonmaterial mit unterschiedlichen Samplingfrequenzen 44/88/96/192 kHz intelligent mit dem Betriebssystem des Rechners zusammenarbeiteten und dabei klangschädliche betriebssysteminterne Up- oder Downsamplings erfolgreich unterbinden!

Im Pro-Audio-Segment sorgen speziell passende ASIO-Treiber dafür, daß das Betriebssystem des Rechners keine klangschädliche Up- und Downsamplings durchführt. In diesem Zusammenhang wäre es nicht ungünstig, wenn Programmen wie i-Tunes die Möglichkeit mitgegeben werden würde – ähnlich wie bei Proaudio-Programmen schon lange Standard -, auch definitiv das jeweils für die Wiedergabe explizit zum Einsatz kommende Audiodevice manuell innerhalb der Software anwählen zu können, denn nur wenn alles Hand in Hand auch optimal zusammenarbeitet, können entsprechende Klangresultate erzielt werden. In dieser Hinsicht ist dieses mit der Integrationsmöglichkeit eines ASIO-Treibers in den Media Monkey Player bereits fortschrittlicher gelöst. Bei I-tunes benötigt man die dazu nach Meinung des Autors nicht gerade als preisgünstig zu bezeichnende Amarra-Software, die allerdings auch nur auf  Mac-Rechnern lauffähig ist. Diese kostet zwischen 295 US-Dollar für die Mini-Version und 995 US-Dollar für die Vollversion.

Bei Windows XP kann mit einer Freeware namens Reclock der sogenannte K-Mixer von Windows XP umgangen werden, der für ein klangschädliches Up- und Downsampling nicht selten verantwortlich ist. Wer nun zwischenzeitlich ein Bedürfnis nach einem alternativen Weg verspüren sollte, der könnte vielleicht am Ende dieser Zeilen „seine“ Lösung  finden…

CD/DVD-Laufwerke

Es gibt erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen den am Markt derzeit erhältlichen CD/DVD-Laufwerken, die für den speziell auf Audiotechnik gerichteten Anwender von besonderem Interesse sind. In vielen Fällen wird man zu einer Mehrlaufwerke-Strategie greifen müssen, da es so gut wie kein Laufwerk gibt, welches beste Eigenschaften beim Einlesen und gleichzeitig beim Brennen von CD-Rohlingen und DVD-Rohlingen in sich vereint! Der Autor hat dahingehend mit den aktuellen BD-Combo-Laufwerken leider keine wirklich guten Erfahrungen gemacht. Für das Brennen von Audio-CDs bietet sich aus Erfahrung des Autors derzeit das LiteOn iHAS324 und der externe USB-Brenner LG 20 GE NU10 EE05 an. Brenner wie der bekannte Plextor Premium 2 glänzen gleichfalls mit ausgezeichneten Resultaten, sind aber durch die mittlerweile veraltete IDE-Schnittstelle in aktuellen Rechnern nicht mehr so recht zu gebrauchen. Der externe USB Brenner LG20 GE NU 10 EE05 brennt CD-Medien auch heute noch in 4- und 8-fach Tempo, welches insbesondere der Qualität von Audio-CDs sehr zuträglich ist. Die beste Qualität wurde mit letztgenanntem CD/DVD-Brenner bei 8-facher Brenngeschwindigkeit unter Verwendung von JVC-CD-Rohlingen erzielt. Der DC-Jitter lag dabei auf dem Niveau der Original-CD, und die auditive Unterscheidung fiel am Ende selbst über „amtliches“ Wiedergabeequipment sehr schwer. Die meisten anderen Brenner boten beim Erstellen von CD-Audio-Medien keine Geschwindigkeiten unterhalb 16x an – und der dabei auftretende DC-Jitter bewegte sich deutlich oberhalb der Werte der Original-CD! Empfohlen sei grundsätzlich die Verwendung von Tayo-Yuden-CD-Rohlingen, die, derzeit als JVC-Rohling bezeichnet, im Pro-Fachhandel erhältlich sind. An dieser Stelle möchte der Autor zur besseren Verdeutlichung der Qualität von Rippresultaten noch auf  einen hilfreichen Link verweisen. Derartige Resulte konnte der Autor auch mit einem handelsüblichen PC und sorgfältiger Auswahl der Laufwerke und Software erzielen. Als Software auf dem PC kam dabei dB Poweramp zum Einsatz die übrigens auch von den RipNAS Stationen verwendet wird.

http://www.ripnas.com/secure.html

http://forum.dbpoweramp.com/showthread.php?t=17274

http://www.dbpoweramp.com/

Das Brennen von High-Resolution-Audiodateien auf DVD-Rohlinge erledigte zufriedenstellend der Pioneer DVR-216D. Eine Anschaffung des CD/DVD-Brenners Plextor PX 880SA bietet sich insbesondere an, da mit diesem Brenner mit Hilfe der beiliegenden Software PlexUtilities die Qualität der zu erstellenden CD/DVD-Medien sehr effektiv kontrolliert und eingeschätzt werden kann. Mit dieser Software lassen sich Tendenzen „besser/schlechter“ der Brennqualität erstaunlich sicher ermitteln. In diskrete Zahlenwerten gefaßte, absolut amtliche Meßresultate lassen sich u.a. dagegen nur mit dem mehr als 100.000 Euro kostenden CATS-Meßsystem ermitteln!

Empfehlenswerte DVD-Rohlinge wären zu den genannten Brennern Verbatim DVD+R Gold Archival 8X und JVC DVD-R 16X TYG03.Für das Rippen von Audio-CDs eignet sich besonders der OptiArc AD-7240S. Die Laufwerke liegen vielfach unterhalb 40 Euro pro Stück.

Optische Speicher

Als optische Speicher bieten sich beschreibbare CD und DVD Rohlinge an; einige wurden bereits genannt. Für hochwertige Anwendungen sollte besser von Kaufhausrohlingen Abstand genommen werden. Der Autor hat sehr gute Erfahrung mit folgenden Rohlingtypen gemacht: JVC CD-Rohling CDR 48X (Tayo Yuden), Verbatim DVD+R Gold Archival 8x, JVC DVD-R 16X (TYG03). Dabei handelt es sich um Qualitätsrohlinge, die von dem explizit genannten Hersteller in eigener Fabrikation gefertigt werden und den jeweils für das Trägerformat festgelegten Spezifikationen auch tatsächlich entsprechen. Die Vielzahl der sogenannten Kaufhausrohlinge stammt hingegen von OEM-Herstellern und wird lediglich unter dem Handelsnamen der jeweiligen Verkaufsorganisation vertrieben.

Fortsetzung folgt

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